Karl Bushby: Der unermüdliche Wanderer auf dem Weg nach Hause

Karl Bushby, geboren am 30. März 1969 in Hull, England, ist ein ehemaliger Fallschirmjäger der britischen Armee. Nach 11 Jahren Dienst, einschließlich Einsätzen in Nordirland, verließ er die Armee und begann ein Abenteuer, das sein Leben für immer verändern sollte. Was als Wette in einer Bar begann – die Idee, von Chile aus zu Fuß um die Welt zu laufen und nach Hause zurückzukehren – wurde zur „Goliath Expedition“, einer der beeindruckendsten Reisen der Moderne. Heute, fast 28 Jahre später, nähert er sich dem Ziel und bietet uns wertvolle Lektionen über Ausdauer, Menschlichkeit und das wahre Glück.

Der Anfang einer epischen Reise

Am 1. November 1998 startete Bushby in Punta Arenas, der südlichsten Stadt Chiles, mit nur 500 Dollar in der Tasche. Sein Ziel: 36.000 Meilen (rund 58.000 Kilometer) zu Fuß oder schwimmend zurückzulegen, ohne jegliche motorisierten Hilfsmittel zu nutzen. Die Route sollte ihn durch Südamerika, Zentralamerika, Nordamerika, Asien und Europa führen – eine ununterbrochene Kette von Schritten, die ihn letztendlich nach Hull bringen würde. Ursprünglich auf 12 Jahre geplant, wurde die Expedition durch unzählige Hindernisse verlängert: Visa-Probleme, Kriege, Finanzkrisen und die COVID-19-Pandemie.

In Südamerika durchquerte er Länder wie Argentinien, Peru, Ecuador und Kolumbien. Eine der größten Herausforderungen war der Darién Gap, ein gefährliches Dschungelgebiet zwischen Kolumbien und Panama, das von Kartellen und Guerillas kontrolliert wird. Bushby wich den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC) aus und verbrachte 18 Tage im Gefängnis in Panama, weil er ohne Visum einreiste. In Nordamerika stahl man ihm seinen Anhänger in Montana, und er musste monatelang pausieren, um Visa zu erneuern.

2006 überquerte er die Beringstraße zu Fuß über das gefrorene Eis – eine 150 Meilen lange Route von Alaska nach Sibirien, die mit einer Verhaftung durch russische Grenztruppen endete. In Russland kämpfte er mit strengen Visa-Regeln, Sumpfgebieten und einer fünfjährigen Einreiseverbot nach einer Grenzverletzung 2013. 2017 erreichte er die Mongolei, 2019 Usbekistan. Die Pandemie stoppte ihn an der turkmenisch-iranischen Grenze.

Um Russland und Iran zu umgehen – aufgrund von Sicherheitsbedenken für britische Reisende – schwamm Bushby im August 2024 179 Meilen (ca. 288 km) über das Kaspische Meer in 31 Tagen, begleitet von Mit-Schwimmern. Danach durchquerte er Aserbaidschan, überquerte den Bosporus in der Türkei und betrat Europa über Bulgarien, Rumänien und Ungarn.

Der aktuelle Stand: Fast zu Hause

Stand Dezember 2025 befand sich Bushby in der Slowakei, nach Etappen in Budapest und Gyor in Ungarn. Aufgrund von Visa-Anforderungen verbrachte er Anfang 2026 Zeit in Mexiko, plant aber, im März in der Nähe der ungarisch-österreichischen Grenze weiterzulaufen. Er erwartet, im September oder Oktober 2026 in Hull anzukommen – genau 28 Jahre nach seinem Start. Seine Mutter Angela, die ihn nur dreimal in all den Jahren gesehen hat, wartet sehnsüchtig auf ihn und pflegt Scrapbooks mit Berichten über seine Abenteuer.

Die Welt hat sich in diesen 27 Jahren verändert: Social Media, das Bushby erst kürzlich nutzt, bringt Druck durch öffentliche Aufmerksamkeit, ist aber auch ein hilfreiches Tool. Globale Ereignisse wie der Ukraine-Krieg oder die Finanzkrise von 2008 haben seine Pläne immer wieder durchkreuzt.

Lektionen aus der Goliath Expedition: Was wir daraus lernen können

Bushbys Reise ist mehr als ein physisches Abenteuer; sie ist eine Lektion in Resilienz und Menschlichkeit. Eine der größten Erkenntnisse: Wahres Glück liegt in Beziehungen, nicht in körperlichen Leistungen. „Das Härteste in den letzten 27 Jahren war der Verlust der Frauen, die ich geliebt habe – das ist der schwierigste Teil. Physischer Schmerz ist einfach, Leiden ist anders“, sagt er. Die glücklichsten Momente waren jene in Beziehungen, während die Expedition oft einsam war.

Zweitens: Die Welt ist freundlicher, als sie scheint. Über Kulturen hinweg haben Fremde ihm Essen, Unterkunft und Hilfe angeboten, oft ohne Worte – nur durch Gesten und Lächeln. „Diese Welt ist verdammt viel freundlicher und netter, als sie erscheinen mag“, betont Bushby. Das lehrt uns, Vorurteile abzubauen und auf die Güte der Menschen zu vertrauen.

Drittens: Rückschläge sind unvermeidbar, aber man „rollt einfach mit“. Ob Halluzinationen durch Hunger, monotone Wüsten oder geopolitische Krisen – Bushby lernte, flexibel zu bleiben und nicht aufzugeben. Seine Motivation stammt aus militärischen Erfahrungen und dem Verlust von Freunden, was ihn antrieb, das Leben intensiv zu leben.

In einer Welt voller Ablenkungen zeigt Bushbys Geschichte, dass große Ziele Zeit brauchen und dass der Weg selbst der größte Lehrer ist. Wenn er im Herbst 2026 Hull erreicht, wird er nicht nur eine Expedition beendet haben, sondern ein Vermächtnis der Ausdauer hinterlassen.